Die

Gemeinschaft zwischen Tradition und Moderne
Zu Gast bei Kindern einer indischen Dorfschule

Für drei Jahre hatte ich die großzügige Gelegenheit regelmäßig in indischen Dorfgemeinschaften zu Gast zu sein. Die Orte Ghosaldanga und Bishnubati sind zwei Dörfer im indischen Bundesstaat West-Bengalen, 150 km nördlich von Kolkata. Die Stadt Bolpur und die vom bengalischen Dichter Rabindranath Tagore gegründete Universität Santiniketan liegen ca. 10 km entfernt.

Die Dörfer liegen abseits der Straßen, auf meist ungeteerten Wegen sind sie mit Ochsenkarren, Fahr- oder Motorrädern oder per Jeep erreichbar. Es gibt dort weder fließendes Wasser noch Kanalisation.

Die Bewohner gehören dem Stamm der Santal an, einem der größten Stämme der Ureinwohner (Adivasi) in Indien. In beiden Dörfern leben rund 900 Menschen. Als einfache Bauern leben sie in Lehmhütten mit Reisstroh- oder Wellblechdächern. Die Santal pflegen ihre eigenständige Sprache. Ihre Traditionen, welche mündlich überliefert werden, kommen in Festen, im Tanz, und in handwerklicher Arbeit zum Ausdruck.

Neben meinen regelmäßigen Besuchen in den Dörfern Ghosaldanga und Bishnubati half ich in der privaten Dorfschule “Rolf-Schoembs-Vidyashram (RSV)”. Diese wurde, angelehnt an Rabindranaht Tagores neuer indischer Pädagogik, von Bewohnerinnen und Bewohnern der beiden Dörfer 1996 gegründet und vom deutschen Schriftsteller Martin Kämpchen, welcher seit 45 Jahren in Indien lebt, begleitet und deren Entwicklung maßgeblich angeregt.

“Glückliche Kinder sind das Ergebnis eines freien Geistes.” 

Im Spannungsfeld des traditionellen Lebens und der umwälzenden Entwicklung in Indien durch die Öffnung des Landes zur westlichen Wirtschaftsweise und des Lebenstils sehen sich die Dörfer der Santal großen kulturellen und praktischen Herausforderungen gegenüber. Mit der Gründung der Dorfschule in einer humanistischen Pädagogik, welche den Kindern eine möglichst freie Entfaltung in ihrer eigenen Sprache und Kultur, bei gleichzeitiger intensiver Betreuung ihrer schulischen Laufbahn, sowie der Entwicklung von eigenständigen Lebensperspektiven, wie z.B. ökologischer Landwirtschaft, wurde ein beispielhaftes Juwel geschaffen. Mit der Botschaft “Erfüllung durch achtsame Förderung” befruchtet die Dorfschule nicht nur die umliegenden Dörfer, sondern eregt auch Aufmerksamkeit aus anderen indischen Bundestaaten und zieht immer wieder international freiwillige Helfer an. Das Konzept der Schule führt langfristig zur Schaffung eines eigenständigen individuellen und kulturellen Selbstbewußtseins und ist somit ein Eckpfeiler auf dem Weg zur Bewahrung des kulturellen Schatzes der Santal in der Region.

Ausstellung vom 12. März bis 25. April 2019

Kunst.Hand.Werk AWO | Kurze Str. 3 | Göttingen

In Freundschaft mit